KRAFTTRAINING

Kraft- und Gerätetraining im Taijiquan

Die Idee, Taijiquan würde ohne Kraft auskommen, ist grundlegend falsch. An einigen Stellen im Lernprozess nicht auf Kraft zu achten, sondern beispielsweise auf den Bewegungsfluss, kann zwar durchaus Sinn machen. Solche Didaktik sollte aber nicht zu einem generellen "Kraftverbot" führen. Jegliche klassische Schriften des Taijiquan heben vielmehr die Bedeutung sinnvoll geführter "Kraft" hervor. Sie ist also zentraler Lehrinhalt.  

Im Chen-Stil Taijiquan nach Chen Yu finden sich daher unterschiedliche Kräftigungsmethoden. Bereits Stand-, Basis- und Formbewegungen schulen die Körperkraft. Ab bestimmten Lernstufen können weitere Geräte zur darüber hinausgehenden Kräftigung herangezogen werden, um positive Effekte sowohl für die Kampfkunstfertigkeit, als auch für die Gesundheit der Praktizierenden zu erzielen. Das traditionelle Waffentraining dient einem ähnlichen Zweck, erscheint in unserer Zeit jedoch sowohl rechtlich umstritten als auch weniger praktikabel.

Bereits für Anfänger geeignet ist der Taiji Stab (Taiji Bang, 太极棒). Er kann zur Kräftigung des Handgelenkes, des Griffes sowie generell der Verbesserung der Spiralkraft verwendet werden. Zum Taiji Stab gibt es eine Reihe von Einzelübungen.

Fortgeschrittene können den Taiji Ball (Taiji Qiu, 太极球) zu ihrem Trainingskurrikulum hinzufügen. Auch beim Taiji Ball verbessern verschiedene Einzelübungen Taillenkraft und Armkraft. Man sollte zunächst mit kleineren Gewichten beginnen und kann dann nach und nach aufstocken.

Um zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die strukturelle Körperkraft ausreichend vorliegt, auch explosive Schnellkraft zu trainieren, bietet sich beispielsweise der Taiji Langstock (Dagan, 大杆) an, der drei Meter oder mehr misst und aus einem speziellen, biegsamen Holz besteht. Man kann hier sowohl eine Form aus 13 Bewegungen als auch Einzelstellungen üben. Im Vordergrund stehen diverse Techniken wie winden, drehen, spalten, schmettern, ziehen, haken, stechen, schütteln, stützen, tragen u.v.m. Vor allem müssen die Stocktechniken mit der Fußarbeit koordiniert werden und trainieren so neben der Armmuskulatur auch Schrittbereich, Hüfte und Taille. 

Zudem üben wir die Handformen auch mit Gewichten an Händen, Füßen und Rumpf. Allerdings sollte diese Trainingsart nicht auf alle Taiji- und Qigong-Formen übertragen werden. Die Handform muss auf eine solche Art der Kräftigung ausgelegt sein. Ansonsten führt das Training mit Gewichten nur zu Verkrampfung und nicht zur Stärkung.  

Alle Geräte ergänzen das waffenlose Formtraining und helfen, die Bewegungen mit einer fließenden, kontinuierlichen Kraft zu füllen.

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