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TQJ-ARTIKEL ÜBER DIE BEDEUTUNG VON DANTIAN |
Zentrumsbewegung und die Entwicklung des Dantian im Taijiquan (Auszug)
Von Nabil Ranné, vollständiger Artikel erschienen in der Ausgabe 32 – 2/2008 des Taijiquan & Qigong Journals, Fachzeitschrift für alle Taijiquan- und Qigong-Praktizierenden
Der Begriff Dantian heißt wörtlich übersetzt „Zinnoberfeld“. Dieses schließt den energetischen Mittelpunkt des Menschen ein und gilt als wohl wichtigster Körperpunkt in der chinesischen inneren Alchemie. Das Dantian liegt demnach im Körperzentrum, einige Zentimeter unterhalb des Bauchnabels etwas im Körperinneren. Wenn man von „Dantian“ spricht, ist normalerweise das sogenannte untere Dantian gemeint, das mittlere und das obere Dantian sollen an dieser Stelle unbeachtet bleiben. Vom energetischen Begriff des Dantian ist der Schwerpunkt des Menschen terminologisch abzugrenzen, wenn man den Sachverhalt genauer untersuchen möchte. In den Standübungen der inneren Kampfkünste wird normalerweise versucht, den Schwerpunkt auf das energetische Zentrum auszurichten, um so eine bestmögliche Körperstruktur und Bewegungsaussteuerung zu erzielen. Es ergeben sich insgesamt also zwei voneinander abzugrenzende Begriffe: Dāntián (丹田) – energetisches Zentrum Die erste konkrete Erwähnung des Begriffs Dantian findet sich in dem daoistischen Klassiker Huanting Jing1, aus dem dritten Jahrhundert nach Christus (vgl. Kenneth S. Cohen: The Way of Qigong, 1997, S. 342). Anschließend wurde der Ausdruck in der Literatur sehr geläufig und so finden sich viele konkrete Anweisungen zur Entwicklung des Dantian in den klassischen daoistischen Texten zur inneren Alchemie. In den frühen „klassischen Texten“2 des Taijiquan wird der Ausdruck Dantian hingegen nur ein einziges Mal verwendet (vgl. Barbara Davis: The Taijiquan Classics, 2004). Im Taijiquan Lun von Wang Zongyue taucht der folgende Satz auf: Qì Chén Dāntián (气沉丹田) - „Qi sinkt ins Dantian“ Das Qi verbindet in diesem Zusammenhang das Geistige, nämlich in seinen Ausprägungen Xin und Yi, Herz und Aufmerksamkeit, mit dem Körperlichen, also Muskeln, Sehnen und Knochen. Der Satz bezieht somit die geistige Konzentration und die dem Geist folgende körperliche Ausrichtung auf das Körperzentrum mit ein: Geistiges und Körperliches kommen zusammen. Eine Weiterführung findet sich in der spirituellen daoistischen Praxis zur Erlangung der Unsterblichkeit. Anders sieht es indes beim Chenshi Taijiquan Tushuo von Chen Xin (1849 - 1929) aus, in dem der Begriff sehr häufig auftaucht. Hier wird das Dantian wiederholt als Anfangs- und Endpunkt für das Qi gesehen: Von hier starten aufmerksam geführt die zentrierten Bewegungen, die sich in Arme und Hände und zeitgleich in Beine und Füße ausbreiten, um dann wieder zurück zum Dantian in eine Ruheposition zu gelangen. Was ist das Dantian?
[Ende des Auszugs] 1 Das Huangting Jing (chin. 黄庭内外玉景经 – Huángtíng Nèiwàiyùjǐng Jīng) heißt “Der Klassiker des gelben Hofes über die innere und äußere Jadelandschaft” und gehört zum daoistischen Kanon. Im Teil „die innere Landschaft“ der zweite Abschnitt: „回紫抱黄入丹田“. 2 Hierzu zählen je nach Schule unterschiedliche Werke, u.a. das Taijiquan Jing, Taijiquan Lun, die Abhandlung über die Einsichten der dreizehn Positionen, das Lied der dreizehn Positionen und das Lied der schlagenden Hände. |









Die Entwicklung des Dantian und die dadurch ermöglichte zentrierte Bewegung sind grundlegende stilunabhängige Elemente des Taijiquan. Nichtsdestotrotz wird diese Grundlage im Training bisweilen vernachlässigt beziehungsweise bleibt häufig unklar, wie man eine entsprechend ausgeführte Bewegung überhaupt ausbildet und woran man sie erkennt. Großmeister Chen Xiaowang konstatiert hierzu sehr unmissverständlich, dass es eben die wichtigste Eigenschaft des Taijiquan-Trainings sei, das Dantian zu schulen: „Wenn man dies vernachlässigt, trainiert man umsonst.“ (Chen Xiaowang: Ancestral Chen-Style Taijiquan, DVD 1, WCTAG)
„Dantian“ bezeichnet einen wahrnehmbaren Punkt innerhalb des menschlichen Körpers, beschreibt aber keine exakte Position im naturwissenschaftlichen Sinn, sondern nur eine ungefähre und relative in der Art, dass sie von Mensch zu Mensch variieren kann. Zudem wird das Dantian als eine Art Sammelbecken für das Qi betrachtet, was auch durch die Tatsache verdeutlicht wird, dass der Akupunkturpunkt Renmai 6, der dem Dantian auf der Körperoberfläche entspricht, Qihai (chin. 气海 - Qìhǎi) - das „Meer des Qi“oder auch "das Atemmeer" genannt wird. 




