![]() |
CHEN ZHAOKUIS SKRIPT ZUM SEIDENSPULEN |
Erläuterung zur seidenspulenden Kraft im Chen-Taijiquan
Die spulende Kraft wird auch seidenspulende Kraft genannt und ist einer der Hauptinhalte des Chen-Taijiquan. Einfach gesagt handelt es sich dabei um einen Verlauf und eine Methode des Krafteinsatzes. Dies bezieht sich darauf, dass sämtliche Bewegungen am ganzen Körper oben wie unten einem gebeugten Verlauf folgen. Darüber hinaus sind sie Abschnitt für Abschnitt miteinander verbunden und eng aufeinander abgestimmt. Sie sind fortgesetzt und ununterbrochen - d.h. das, was man bezeichnet als: "das Yi ist ununterbrochen (Yi bezieht sich auf den bewussten Gedanken)", "der Körper (bezogen auf den Körpereinsatz) ist ununterbrochen", "Jin (die Kraft) ist ununterbrochen", "Shen (der Ausdruck des Geistes in den Augen) ist ununterbrochen", "die Peng-Kraft ist ununterbrochen", "die schließende Kraft ist ununterbrochen" und "die öffenende Kraft ist ununterbrochen". Außerdem nehmen alle Bewegungen die Taille zur zentralen Achse; jegliche Bewegung ist damit abgestimmt. Im Inneren verläuft das Seidenspulen, außen [sichtbar] werden runde Bewegungen vollzogen. Auf diese Weise entsteht ein Kraftverlauf, der fast einer Spirale gleicht und der sich aus der Verbindung aller Arten von Bogenlinien mit verschiedenen Krümmungsgraden zusammensetzt. Bei den beiden Zeichen für "Seide spulen" als Bestandteil des Begriffs seidenspulende Kraft handelt es sich um eine Metapher. Es ist keineswegs so, dass es eigens irgendeine "Kraft"2 gäbe, die sich am Körper und den Gliedmaßen entlang schlängeln und winden würde. Analog zum obigen Beispiel: Während der Gegner mich angreift, fange ich Hand und Arm des Gegners ab (ich gehe mit der gleichseitigen Hand seitlich entgegen). Mit der Taille als Achse drehe ich mich mit dem Angriff des Gegners (dabei verlagert sich das Gewicht gleichzeitig nach hinten). Mit schwellender Kraft drücke ich den gegnerischen Angriff nach unten ein und drehe ihn gleichzeitig nach außen, so dass ich den Punkt der Kraftübertragung vorbei leite. Wenn der Gegner mich verfolgt und den Punkt der Kraftübertragung verändert, dann passe ich mich der Situation an und leite fortgesetzt vorbei. Wenn es die Situation erlaubt, z.B. wenn der Gegener beim Verfolgen mir zu nahe kommt - kann man außerdem für ihn unerwartet ihn in die entgegen gesetzte Richtung vorbei leiten, so dass der Gegner auf der anderen Seite ins Leere läuft... Allein bezogen auf diese Technik gibt es noch zahlreiche Variationen; der Einfachheit halber lasse ich sie an dieser Stelle weg. Nebenbei bemerkt, wenn man die bogenförmige Kraft (d.h. die seidenspulende Kraft) einsetzt, verliert im Kampf derjenige Körperteil, der vom Gegner vorbeigeleitet wurde, wie oben beschreiben beim Wegdrehen von Hand und Ellbogen, auch keineswegs seine Einsatzfähigkeit unter der Voraussetzung, dass die eigene Kraft nicht unterbrochen wurde. Nicht nur, dass er sich der jeweiligen Situation anspassen kann, sondern er kann auch noch Kraft einsetzen, um den Gegner zu kontrollieren. D.h. solange es noch nicht zu einer weiteren Anpassungsreaktion gekommen ist, hat er nach wie vor eine Abwehrfunktion, die darin besteht, gegnerische Bewegungen im Keim zu ersticken. Ob dies gelingt oder nicht, hängt entscheidend davon ab, dass die eigene Kraft nicht unterbrochen wird. Dies ist jeweils anhand der obigen Ausführungen zu klären. ©2005 Wuhun - Beijing Wuhuyuan Anmerkungen des Übersetzers:1 Chen Zhaokui (1927-1981), 18. Generation des Chen-Taijiquan, dritter Sohn des berühmten Großmeisters Chen Fake (1887-1957); Chen Fake wiederum hatte seinerzeit als erster nach der Yang-Familie und ihrer Taijiquan-Variante auch den Ursprungssteil des Chen-Klans in Beijing und anderen Großstädten bekannt gemacht. 2 "Kraft" (Anführungszeichen im Original): Meiner Interpretation nach wurde hier der Begriff 劲 - Jìn in Anführungszeichen gesetzt, weil nicht nur die Grundbedeutung Kraft/Energie gemeint ist, sondern auch die Bedeutung "sichtbarer Ausdruck" - also ein sichtbarer Ausdruck des Seidenspulens. 3 膨劲 – Péngjìn: schwellende Kraft - hier wird das gängige Zeichen 膨 – Péng für "[an-]schwellen" verwendet. |








Posthum veröffentlichtes Manuskript von Chen Zhaokui





